Das Display des Retina MacBooks – Ein Test für Fotografen

Vorgeplänkel

(wer direkt zum Test gehen mag – bitte runterscrollen)

Am Freitag war es soweit. Meine Tante hatte sich freundlicherweise bereit erklärt mir in Dresden zwei der begehrten MacBooks mit Retina Display zu besorgen und zuzuschicken, da dort wundersamer Weise zwei Stück vorrätig waren. Die drei Retinas, die ich direkt am zweiten Tag nach der Ankündigung bei Apple bestellt habe, weisen immer noch einen Liefertermin in ferner Zukunft aus.
Im Apple Store München rät man dazu täglich kurz vor 12 Uhr Mittag vorbeizuschauen, da ca. 1-2 mal die Woche! welche geliefert werden und zu dieser Zeit in den Verkauf gehen. Zurücklegen lassen ist natürlich leider nicht möglich.

Am Freitag ertappte mich Conny bei etwa 14 unauffälligen Gängen zur Straße in der Hoffnung einen Blick auf ein gelbes DHL Auto zu erhaschen. Doch laut Murphy kam es leider nicht schon morgens um 9 Uhr, sondern nachmittags um 16:30h. ;-(

Mac Book Retina Test

Retina Mac Book bereit zum Test

Retina Mac Book’s
Meinem Erfahrungsbericht sei vorausgeschickt, das ich in beiden Welten – Mac und PC – langjährige Erfahrung habe und prinzipiell beide in vielen Bereichen auf Augenhöhe sehe. Auf unseren Schulungsrechnern für die Premium Workshops installiere ich OSX 10.7 und Windows 7 Home Premium (mit Bootcamp) parallel, um den Teilnehmern unserer Premium Workshops ihr gewohntes Arbeitsumfeld zu ermöglichen. Seit dem Jahr 2006 verwenden wir für unsere Schulungen Apple Mac Minis. Mit meinem persönlichen Desktop Rechner bin ich im September 2008 zum Mac gewechselt und zwar aus dem einzigen ganz profanen Grund: Ich habe zu dieser Zeit in der PC Welt keinen so leisen Rechner mit einem Dual Prozessor System und 8 Cores gefunden.

Allerdings bin ich mit meinem Notebookrechner erst mit den ersten Quad Core MacBook Pro’s im Februar 2011 von PC zum Mac gewechselt. Das dies solange gedauert hat war eine Frage des Notebook Displays. Ich besaß zu diesem Zeitpunkt noch zwei der in fortgeschrittenen Fotografenkreisen sehr geschätzten IBM T60/T61 Rechner mit dem IBM Flex View Wide Angle Display, das kein TN+Film Panel sondern ein IPS Panel besaß. Dieses Panel hat mich seit seiner ersten Vorstellung in einem IBM R40 über sicherlich 8 Jahre begleitet und ich habe Fotografen die MacBooks verwenden um darauf ernsthaft zu arbeiten nie verstehen können, da die Displays der MacBooks – verglichen mit diesem IPS Panel – helligkeitsverändernd, farbverfälschend, blickwinkelabhängig bzw. einfach gesagt für Fotografen einfach ungeeignet waren. Auch die korrekte Kalibration von MacBooks war bis zum Jahr 2010 noch ein gewaltiges Problem. Dementsprechend betrachte ich das Arbeiten auf Notebooks (und Desktops) mit einem TN+Film Panel auch heute noch als kompletten Blindflug.

Der Nachteil dieser IBM IPS Panels bestand allerdings darin, das sie nach recht kurzer Zeit (2-3 Jahren) viel an Helligkeit verloren. Bei meinem letzten brauchbaren T61 war es im Februar 2011 soweit, das ich bei der Kalibration selbst mit gutem Zureden nur noch auf eine Helligkeit von 97cd statt der gewünschten 120cd kam. Gleichzeitig wurden die neuen MacBooks mit Quad Core Prozessoren vorgestellt und es gab gegen 150€ Aufpreis sogar ein hochauflösendes, mattes Display. Für mich ein absolutes Muss, da ich mit den spiegelnden Displays die in vielen PC Notebooks, dem iMac oder dem MacBook Pro verwendet werden, wegen der mangelnden Darstellung von Tiefen in Bildern noch nie so richtig etwas anfangen konnte.

Ende Februar 2011 habe ich dann zwei MacBook Pros 15 Zoll mit mattem Display bestellt. Kurz gesagt ist das Display für ein Notebook ganz ok, der Farbraum ordentlich, die Spiegelungen erträglich, ein richtig professionelles Arbeiten war aber leider nicht möglich, da sich z.B. bei der Definition von Hauttönen, diese bei jeder, auch kleinen Änderung der Kopfhaltung verändern. Bis heute habe ich mich damit aber recht wacker durch die Welt geschlagen (auch mit der Hilfe eines kalibrierten IPad’s, das als zweiter Referenzmonitor per Wifi/WLAN angeschlossen, mir auch on the Road eine halbwegs ordentliche Beurteilung der Bilder erlaubt hat).

Vor 1 1/2 Jahren habe ich mich sogar zu einer Email an Steve Jobs durchgerungen und gefragt warum Apple zwar IPS Panels in IPhones und Ipads einbauen kann aber nicht in die MacBooks… Die Antwort kam erst dieses Jahr am 11. Juni 2012 auf der WWDC.

Test

Ich hatte mir das Retina Display des Mac Book Pro zwei Tage nach der Ankündigung im Apple Store München angesehen und war begeistert. So begeistert, das ich direkt drei Stück bestellt habe und wir wohl als erstes Schulungsunternehmen in Deutschland auf Retina Mac Books Pro’s schulen werden – auch wenn ich das nächste Jahr trocken Brot essen muß 🙂 .

Nachdem ich jetzt zwei Stück 3 Tage lang in den Fingern hatte, hat sich mein guter Eindruck nur bestätigt. Ich spare mir alle Aussagen zum Preis, zum Flash, zu Transferraten etc. das steht in vielen anderen Tests z.B. bei Anandtech, besser und ausführlicher und ich konzentriere mich nur auf das Display.

Blickwinkelabhängikeit

Keine Farb- und Tonverfälschungen in einem für einen normalen Menschen nutzbaren Bereich, vor allem von oben nach unten. Rechts/Links gibt es bei großen Winkeln leichte Abdunkelungen, der Farbton und die Sättigung bleiben jedoch weitestgehend konstant.

Messwerte habe ich hier leider nicht, nur Vergleichsmöglichkeiten und meine individuellen Eindrücke.

Es ist Lichtjahre besser als jedes TN Notebook einschließlich Mac Book Pro 2011, 15 Zoll Matt.
Es ist eine ganze Ecke besser als mein altes T61 mit IPS Panel das hier sein Gnadenbrot fristet und für mich (und z.B. auch Rob Galbraith) immer die Notebookreferenz war.
Es ist von den Blickwinkeln auch deutlich besser als ein IPAD 3!
Nur etwas schlechter (vor allem von den Seiten) als mein EIZO CG243W, aber hier sprechen wir von Nuancen.
Reflektionen:

Das erste Mal in meinem Leben kaufe ich und zwar (halbwegs) guten Gewissens, ein Glossy Display und das gleich 5 mal. Durch die neue von Apple verwendete Technik, kann auf das Deckglas verzichtet werden und die Spiegelungen sollen lt. Hersteller ca. 75% geringer sein als bei einem iMac oder einem MacBook Glossy. ” Schau mer mal…”, sagt hier der Bayer und der Frank als Nichtbayer pflichtet diesem erstmal bei.

Ich werde es hier mit meinem MacBook Pro 2011, Matt vergleichen. Mir ist nur beim Ansehen im Apple Store um die Mittagszeit und nach dem Drehen des Gerätes zum Eingang (Licht) hin aufgefallen, das es für ein Glossy Gerät sehr wenig spiegelt und ich mich zum ersten mal nicht darüber geärgert habe, das ich mich morgens nicht gründlich genug rasiert habe.

Nach 3 Tagen mein Fazit: Ja es spiegelt noch, vor allem wenn man mit dem Rücken zur Lichtquelle sitzt. Das stört einen aber auch bei einem matten Display. Ich würde sagen es ist teilweise etwas unangenehmer, teilweise etwas besser als das matte Display, jeweils abhängig in welchem Winkel man sitzt. Beim matten Display wird das Bild milchig und kann nicht mehr erkannt werden. Beim Glossy setzt sich das Bild gegen die Umgebung etwas besser durch, allerdings ist die Spiegelung stärker zu erkennen. Je nach Einfallswinkel des Lichts ist hier einmal das eine und einmal das andere besser.

Fazit: Man kann mit einem Glossy Display arbeiten. Auch wenn man es so wie ich, nur bei 120-160cd, je nach Kalibrierung, betreibt. Bisher war der Ratschlag, dreh halt die Helligkeit auf wenn Dich die Spiegelung stört, gang und gäbe. Allerdings zerschiesst sich der Fotograf dabei direkt seine Kalibration – also war der Rat für mich nie praxistauglich.

Hier die vier Bilder mit der ungünstigsten Voraussetzungen (Lichtquelle im Rücken):

P1000968

Mac Book Pro Retina 2012

P10009671

MacBook Pro Matt 2011

P10009721

Mac Book Pro Retina 2012

P10009741

MacBook Pro Matt 2011

Ich tue mich hier schwer ein besser oder ein schlechter zu vergeben. Beide sind meines Erachtens nach brauchbar. Bitte achtet hier nicht auf die Farben. Weder Weißabgleich noch Kalibration wurden zwischen den beiden MacBooks abgestimmt. Da es hier aber nur um die Spiegelung geht, sei mir das bitte verziehen.

Nachtrag: Heute hatte eine Teilnehmerin einer meiner Workshops ein Mac Book Pro 15 Zoll mit Glossy Display dabei und ich habe die Chance für ein Vergleichsbild genutzt.

Die 75% geringere Spiegelung scheinen in etwa zu stimmen. Im Glossy kann ich mich rasieren, im Retina nur erkennen 🙂

07_unbenannt_008

Links MBP Glossy – Rechts MPB Retina Links MBP Glossy – Rechts MPB Retina

Farbraum

Das Mac Book Pro 2011 hatte für Mac Computer einen sehr ordentlichen Farbraum. Er entsprach in etwa sRGB. Lt. meinen und den Messungen anderer ist dieser Farbraum beim Retina MacBook in etwa gleichgeblieben und im Vergleich zum Glossy MacBook gestiegen.

Einige Notebooks auf PC Basis (z.B. von HP, Lenovo oder Sony) verfügen über einen deutlich größeren Farbraum von 90-96% Adobe RGB. Die meistens von Ihnen sind aber leider auch nur mit einem blickwinkelabhängigen TN+Film Panel ausgerüstet (rühmliche Ausnahme hier nur der HP Dreamcolor der über ein IPS Panel verfügt, bei einem Gewicht von knapp 4-5 kg. Allerdings erhebe ich hier keine Anspruch auf Vollständigkeit) Hier stellt sich mir die Frage: Was bringt mir ein Panel das einen großen Farbraum darstellen kann, die Farben sich aber direkt verändern wenn ich vor dem Monitor auch nur den Kopf neige?

Weiterhin ist ein Adobe RGB Farbraum fähiger Monitor für mich nur dann praxistauglich, wenn dieser hardwarekalibrierbar ist und über eine 3D Look Up Table eine Farbraumemulation von z.B. sRGB zulässt. Ist dies nicht gegeben, sehen Farben im Web z.B. das Rot auf der Webseite der Bildzeitung, viel zu rot, d.h. quietschrot aus. Das liegt daran, das die meisten Browser kein Farbmanagement unterstützen und die wenigsten Webseitenbetreiber (einschließlich mir) auf die Einbettung korrekter Profile – sei es aus Platzgründen oder aus Unwissenheit – bisher verzichtet haben. Dies kann man zum Beispiel für die Zukunft in Photoshop unter “Web speichern unter” besser machen, indem man das Profil in seine Webbilder integriert.

Dementsprechend sieht man auf “günstigen”, nicht hardwarekalibrierbaren Adobe RGB Monitoren die Farben zwar wunderbar in Photoshop, leider wird das Ganze aber sehr schwierig, wenn es um die Darstellung von Bildern auf Webseiten geht oder darum Bilder fürs Web fertigzustellen, da die Möglichkeit eines Hardproofs auf dem Monitor fehlt und man nur einen solala Softproof in Photoshop durchführen kann. (Vorausgesetzt ich weiß überhaupt damit richtig umzugehen). Wem das alles hier nicht viel sagt, der ist mit einem sRGB Monitor auf jeden Fall besser dran.

Dementsprechend, sind wir auf einem Notebookdisplay mit einem 100% sRGB Farbraum eigentlich sehr gut bedient. Brauchen wir wirklich mehr, kommen wir um die Anschaffung eines guten hardwarekalibrierbaren Monitors nicht drum rum und sollten dann Nägel mit Köpfen machen und den Firmen Quato, NEC oder EIZO einen vierstelligen Betrag in den Rachen werfen. Wenn ein Notebookhersteller dann mal ein hardwarekalibrierbares, 100% Adobe RGB, Retina Display auf den Markt bringt, steht Frank garantiert wieder in der ersten Reihe.

So nun aber zu den Vergleichen :

Gitter ist Adobe RGB - Farbig Mac Book Pro

Gitter ist Adobe RGB – Farbig Mac Book Pro

Achtung! Hier ist das Gitter das Mac Book Pro Retina und die Farbe sRGB – D.h. der Farbraum mit dem Standardprofil von Apple des Retina Mac Books ist sogar größer als sRGB. Leider ist jedoch das Apple Profil zwar ok, aber im wesentlichen wieder ein “cool- soll- das- Bild- ausschauen-” Profil anstatt ein 100% exaktes. Bei einer Validierung fällt es glatt durch.

Gitter - MBP Retina mit Apple Profil, Farbe = sRGB

Gitter – MBP Retina mit Apple Profil, Farbe = sRGB

Kalibriere ich das MacBook Pro, sinkt der verfügbare Farbraum leicht ab. Da der Weißpunkt von sRGB bei 6500k liegt, habe ich hier auch 6500k für die Kalibration verwendet (anstatt der sonst meist üblichen 5700k, aber das ist ein anderes Thema). Nach der Kalibration ist nun der Farbraum einen Tick kleiner als sRGB.

Jetzt wieder Gitter= sRGB, Farbe = MBP Retina, kalibriert. (120cd, 6500k, Gamma 2,2) (Hinweis für Fortgeschrittene: Ich habe auch anstatt auf Gamma 2.2 auf L* kalibriert. Dies hat kaum Auswirkung auf den Farbraum, ist allerdings meiner Meinung nach auch nur auf HW-kalibrierbaren Monitoren wirklich empfehlenswert)
Gitter = sRGB, Farbe: MBP Retina kalibriert

Gitter = sRGB, Farbe: MBP Retina kalibriert

Gitter = sRGB, Farbe: MBP Retina kalibriert

Fazit: Für mich ist auch der kalibrierte, fast vollständige sRGB Farbraum des MacBook Pro’s Retina auch für meine Workshops ausreichend. Will ich mehr und bessere Farben brauche ich einen – vorzugsweise hardwarekalibrierbaren – Desktop Monitor.

Auflösung

Nun zur Paradedisziplin und zu meinem größten Bedenken. Wie gut/schlecht sehen nicht angepasste Anwendungen aus? Kann ich Scharfzeichnen, Rauschentfernung, Artefakte etc. in Lightroom, Photoshop, Capture One etc. überhaupt noch beurteilen wenn diese noch nicht wie Aperture an die hohe Auflösung angepasst wurden? Was passiert mit der Darstellung meiner Bilder?

1. Interface

Das Interface (Menü’s und Bedienenelmente ) von angepassten Anwendungen sehen einfach traumhaft aus. Als wären Sie auf das Display gemalt. Bei nicht angepassten Anwendungen sehen die Elemente dagegen etwas verwaschen aus. Allerdings, kann ich mich Meinungen nicht anschliessen, nach denen sie generell wirklich schlecht aussehen würden. Direkte Vergleiche mit meinem Mac Book Pro 2011 zeigen, das die Bedienelemente von nicht angepassten Anwendungen auf dem Retina mal eine Spur besser und mal eine Spur schlechter und unschärfer aussehen. Besonders auffällig sind nicht angepasste Grafiken die in den Programmen als Bedienelemente wie z.B. im Adoboe Application Manager verwendet werden. Hier ist die Unschärfe oftmals doch sehr auffällig. Zum Glück wirkt sich das aber nicht auf die Bedienfähigkeit aus.

2. Vorgegebene Auflösungen

Die Standard Auflösung des Retina Mac Books entspricht 2880×1800 Pixel und ist damit exakt 4 mal so hoch wie die Standard Auflösung des 15 Zoll Modells. Verglichen mit meinem 15 Zoll 2011 Matt verliere ich damit sogar erst einmal Arbeitsfläche, da dieses 1680×1050 Pixel Auflösung und damit ca. 34% mehr Pixel hatte. Dies war ein Punkt der mich etwas beunruhigt hatte, da mehr Platz in Lightroom, Capture One oder Photoshop schon ein nicht zu unterschätzender Luxus ist und ich mich schon geärgert hatte das das Retina Display nicht 3360×2100 Pixel groß ist.

Allerdings kann man auf andere “nicht optimale Auflösungen umschalten”

Auflösungen des MBP Retina

Auflösungen des MBP Retina

Diese entsprechen 1680×1050 und 1920×1200 Pixeln. Mit beiden kann man sehr gut arbeiten. Die Schrift und das Erscheinungsbild ist nicht 100% so gestochen scharf wie in der nativen Retina Auflösung, das Retina MacBook schlägt aber interpoliert mit 1680×1050 mein MacBook Pro 15 Zoll mit dieser nativen Auflösung um Längen. In 1920×1200 sieht alles zwar sehr klein, aber wieder saugut aus. Wer also nicht mit Kurzsichtigkeit geschlagen ist, kann mit 1920×1200 ohne Probleme sehr gut arbeiten und hat in komplexen Anwendungen jede Menge Platz.

Bei Surfen, Emails, Word etc. arbeite ich momentan in der nativen Stufe bei LR, Photoshop, Final Cut, Aperture etc. in 1920×1200.

3. Schärfe beurteilen (Full Resolution mit Switch Res X)

Was mit als erstes unangenehm aufgefallen ist, war das in Aperture die Bilder in Vorschaugröße super aussehen und in Lightroom nicht. Vergleiche haben gezeigt, das es sich dabei um ein ähnliches Phänomen handelt wie bei den Bedienelementen. Die Bilder sehen auf dem Mac Book Pro Retina eigentlich besser aus als auf dem normalen Mac Book Pro mit der 1680 Auflösung. Nur in der 100% Auflösung sieht das Bild auf dem MacBookPro Retina eine Winzigkeit schlechter aus, als auf dem MBP 1680. Dies ist aber auch von Bild zu Bild unterschiedlich. In Aperture dagegen sieht das Bild bei 100% phänomenal gut aus und zeigt einem die volle Auflösung die in dem jeweiligen Bild steckt.

Ein Workaround für mich, der dazu noch ausgezeichnet funktioniert, ist in Lightroom bei der vollen Auflösung von 2880 x 1800 zu arbeiten – zumindest beim Durchsehen, bewerten und schärfen der Bilder.

Einschub zum Thema Schärfe und deren Beurteilung:

Zum Schärfen wird oft in Foren, Blogs und auch Zeitungen und Büchern die alte Urban Legend verbreitet man solle Bilder beim Schärfen bei 100% beurteilen. Dies ist jedoch wie die meisten Urban Legends leider falsch. Das liegt daran das die Auflösung meines Monitors (vor dem MacBook Pro Retina) bei 90-120ppi liegt. Bei Desktop Monitoren etwas weniger, bei Notebooks etwas mehr. Wenn ich jetzt ein Bild schärfe, sehe ich bei 100% und einer ordentlichen Schärfung im Regelfall einiges an Artefakten die den Schärfungsanfänger und Urban Legend Verfechter, dazu verleiten seine Schärfung sehr stark zu reduzieren.

Doch bei welcher Auflösung drucke ich eigentlich die Bilder die ich Schärfe? Doch eigentlich im Regelfall bei 200-400ppi? Wenn ich jetzt mein Bild statt bei 100% bei 50% betrachte simuliere ich damit eine Verdopplung meiner ppi Zahlen. Statt 90-120 ppi sieht mein Bild (mit der Einschränkung das das grobe Raster des Monitors, das bei nur 90-120ppi bleibt das Ergebnis leicht verfälscht) in etwa so aus als würde es mit einer Druckauflösung gedruckt werden. Die Schärfung wirkt deutlich schwächer, die Artefakte gehen zurück. Hier kann ich wirklich die Schärfe beurteilen mit der ich ein Bild bearbeiten sollte und lande dabei bei wesentlich höheren Werten. Das Resultat ist ein Bild das auch im Druck scharf aussieht und die meisten der bei 100% sichtbaren Artefakte gehen in der hohen Druckauflösung unter.

Wem das nicht als Begründung für die 50% Regel reicht seien zwei weitere Überlegungen an die Hand gegeben: Wenn ich ein Bild in Lightroom oder Photoshop bei 100% betrachte, wie groß wird dann das Bild dargestellt? Bei einem Bild einer 5D Mark III in 100% Ansicht auf einem EIZO CG243W ist das Bild in 100% Ansicht ca. 162cm hoch und ca. 108cm breit! Und wie groß drucke ich das Bild? 10x15cm? 20x30cm? 30x45cm? Wer dem ganzen noch tiefer auf den Grund gehen mag dem sei das geniale Buch von Bruce Fraser und Jeff Schewe – Real World Image Sharpening ans Herz gelegt. In dem Buch der beiden, ihres Zeichens die Architekten des Lightroom 3 Schärfemoduls, kann man auch die 50% Regel wiederfinden und auch ihren verzweifelten Appell doch endlich Eure Bilder richtig ordentlich scharf zu zeichnen. Wer hier in Deutschland mehr darüber wissen will ist herzlich auf einen unserer Workshops z.B. zur Imaging School, die im September startet eingeladen.

Ein Display zum Scharfzeichen

Zurück zum Thema. Dank der hohen Auflösung des MBP Retina von 226ppi, kann man jetzt Bilder wirklich bei 100% beurteilen. In Aperture klappt das hervorragend in jeder beliebigen Auflösung, da die Bilder einfach Pixel exakt in 100% bei der 2880 Auflösung dargestellt werden. Hier kann ich jetzt in 100% und auch schon in den Vorschaubildern perfekt die Schärfung wie sie vermutlich im Druck rauskommt erkennen.

Ein Traum wird wahr!

Bei Applikationen die noch nicht Retina optimiert sind hilft uns ein kleines Tool, z.B. SwitchResX das in der Lage ist, jede beliebige Auflösung die eine Grafikkarte unterstützt auf dem Monitor darzustellen. Stellt man jetzt 2880 als Auflösung ein, sind zwar alle Bedienelemente von Lightroom wahnsinnig klein, ich kann jedoch schon an jedem Vorschaubild in LR ohne! rein zu zoomen beurteilen ob die Schärfe stimmt, ob ich verwackelt habe oder die Tiefenschärfe doch zu knapp gewählt war. Bei 100% sehe ich das Bild exakt wie es geschärft im Druck rauskommt, ich habe das jetzt an 5 Bildern versucht und war jedesmal begeistert.

Ansicht Lightroom auf demRetina Mac Books bei voller nativer Auflösung. Klein aber zur Not noch Bedienbar, bei der Beurteilung von Bildern und beim Schärfen aber eine Traumansicht.

Lightroom bei 2880 Pixeln

Lightroom bei 2880 Pixeln

Mein Fazit: Das Mac Book Pro Retina ist für jeden Fotografen eine ausgezeichnete Anschaffung vor allem in den Punkten Blickwinkelabhängigkeit und Beurteilung von Bildern. In den Punkten Farbraum und Spiegelungen ist es nicht herausragend aber für die meisten Anwendungszwecke brauchbar. Mein fast perfektes Notebook Display habe ich nun, wann kommt ein Retina Monitor von EIZO, NEC oder Quato mit Hardwarekalibrierung und 100% Adobe RGB? Von Apple können wir diesen, so befürchte ich, leider aufgrund ihrer Orientierung auf den gut verdienenden durchschnittlichen Konsumenten und Iphone und Ipad Käufer leider nicht erwarten. Ich hoffe allerdings, dass Apple die Retina Panelfertigung antreibt von der dann auch die vorgenannten Hersteller profitieren. Sobald die ersten Desktop Retinas mit den oben beschriebenen Eigenschaften da sind steht Frank, wie beim MacBook Pro Retina, garantiert gerne wieder Schlange.

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